Ein Anbieterwechsel beim Webhosting klingt nach einer überschaubaren Sache: Dateien kopieren, Datenbank exportieren, Nameserver umstellen, fertig. In der Praxis hängt daran mehr, als auf der Rechnung des alten Anbieters steht. Wenn die Website nach der Umstellung nicht erreichbar ist oder noch die alte Version zeigt, sind dafür Dinge verantwortlich, die mit den kopierten Dateien nichts zu tun haben: die Namensauflösung im Internet, fehlende oder nie getestete Zugänge, ein Sicherheitszertifikat, das für den neuen Server noch gar nicht ausgestellt wurde. Und wer merkt, dass etwas fehlt, merkt es oft zu einem Zeitpunkt, an dem der alte Vertrag bereits gekündigt ist. Dieser Text beschreibt, woran es in solchen Fällen liegen kann, was beim Wechsel tatsächlich umzieht und was Sie vorher in der Hand haben sollten.
Anbieterwechsel beim Webhosting: was dabei eigentlich umzieht
Hinter dem Wort Website stecken technisch mindestens vier getrennte Dinge. Erstens die Registrierung der Domain, also der Vertrag über den Namen selbst, der bei einem Registrar liegt. Zweitens die DNS-Zone, das ist die Liste der Einträge, die festlegt, welcher Server zu diesem Namen gehört und wohin E-Mails für die Domain gehen. Drittens der Webspace mit Dateien, Datenbank und der dort eingestellten PHP-Version. Und viertens die Postfächer samt ihrem Inhalt.
Diese vier Teile können bei vier verschiedenen Anbietern liegen, und sie ziehen nicht automatisch gemeinsam um. Genau daraus entstehen die typischen Lücken: Der Webspace ist fertig eingerichtet, aber die Nameserver zeigen weiter auf das alte Haus. Oder die Domain wird transferiert, und mit dem Transfer verschwindet die alte DNS-Zone, in der neben der Website auch die MX-Einträge für die Mail standen. Wer den alten Vertrag kündigt, bevor der neue nachweislich trägt, verliert zusätzlich die Möglichkeit, sich die alten Daten noch einmal zu holen.
Die vier Zugänge, die vor dem Umzug in der Hand sein müssen
Ein Umzug scheitert nicht an der Technik des Kopierens, sondern an Berechtigungen. Jeder der vier Teile braucht einen eigenen Zugang, und jeder dieser Zugänge gehört vor dem ersten Handgriff getestet, nicht nur in einem alten Ordner gefunden. Ein Passwort, das seit Jahren in einer Übergabeliste steht, ist kein Nachweis, dass es noch funktioniert.
- Der Zugang zur Domainverwaltung beim Registrar, inklusive des Freigabeverfahrens für einen Transfer, je nach Endung ein Auth-Code oder ein anderes Bestätigungsverfahren.
- Die FTP- oder SFTP-Zugangsdaten für die Dateien, also Servername, Benutzer, Passwort und Port, wobei SFTP die verschlüsselte Variante der Dateiübertragung ist.
- Der Datenbankzugang mit Hostname, Datenbankname, Benutzer und Passwort, sonst lässt sich der Inhalt des Shops oder des Redaktionssystems nicht exportieren.
- Der Administrator-Zugang zum Hosting-Panel und zum Redaktionssystem, also zu WordPress, TYPO3 oder was sonst im Einsatz ist.
- Eine Liste aller E-Mail-Postfächer und Weiterleitungen, damit beim Aufbau auf der neuen Seite nichts fehlt, was selten benutzt wird.
Ein Punkt wird dabei leicht übersehen: An welche Adresse gehen die Bestätigungsmails des Registrars? Wenn die Freigabe eines Domaintransfers an ein Postfach geschickt wird, das auf dem alten Server liegt oder einem ausgeschiedenen Mitarbeiter gehört, kommt die Bestätigung nicht an, und der Transfer läuft in eine Frist. Wir prüfen deshalb vor jedem Umzug, auf welche Adresse die Domain eingetragen ist und ob dieses Postfach erreichbar ist.
Warum die Seite nach der Umstellung noch alt aussieht
Das Domain Name System, kurz DNS, übersetzt einen Namen in die Adresse eines Servers. Jede Antwort bekommt dabei eine Gültigkeitsdauer mit, die TTL, und innerhalb dieser Zeit merken sich die Zwischenspeicher der Internetanbieter und der Arbeitsplatzrechner das Ergebnis. Steht die TTL auf mehreren Stunden, zeigen genau so lange noch Besucher auf dem alten Server, obwohl der Eintrag längst geändert ist. Das ist kein Fehler der Umstellung, sondern das normale Verhalten der Namensauflösung.
Praktisch heißt das zweierlei. Erstens gehört die TTL einige Tage vor der DNS-Umstellung auf einen kurzen Wert gesetzt, dann wird die Übergangsphase schmaler. Zweitens laufen in dieser Phase beide Server parallel, und was in dieser Zeit auf dem alten Server passiert, etwa ein ausgefülltes Kontaktformular oder eine Bestellung, bleibt dort liegen. Der alte Webspace sollte deshalb erst abgeschaltet werden, wenn die Zwischenspeicher abgelaufen sind und die Zugriffe nachweislich beim neuen Server ankommen.
E-Mail zieht nicht mit, nur weil die Website umzieht
Die Mail hängt an denselben DNS-Einträgen wie die Website, aber an anderen Zeilen. Der MX-Eintrag legt fest, welcher Server Post für die Domain annimmt. Daneben stehen in der Zone meist TXT-Einträge, darunter ein SPF-Eintrag, der festlegt, welche Systeme im Namen dieser Domain senden dürfen, und oft ein DKIM-Schlüssel, mit dem der sendende Mailserver seine Nachrichten kryptografisch signiert. Wird beim Wechsel die Zone neu aufgebaut und diese Zeilen fehlen, kann eingehende Post ins Leere laufen oder ausgehende Post bei Empfängern in der Prüfung durchfallen.
Der zweite Teil ist der Inhalt der Postfächer. Alte Nachrichten liegen auf dem Server des bisherigen Anbieters und müssen aktiv übernommen werden, üblicherweise über eine IMAP-Synchronisation zwischen altem und neuem Postfach. Wer mit POP3 arbeitet und die Mails lokal liegen hat, hat dieses Problem nicht, dafür aber oft nur eine einzige Kopie auf einem einzelnen Rechner. Sichtbar wird eine Lücke hier meist erst, wenn jemand eine Nachricht von vor zwei Jahren sucht.
Was auf dem neuen Server anders eingestellt ist
Eine Website ist nicht nur ein Ordner mit Dateien, sondern läuft in einer bestimmten Umgebung. Wenn der neue Server eine andere PHP-Version verwendet, kann ein älteres Plugin Fehlermeldungen werfen oder eine weiße Seite ausgeben. Auch Datenbankeinstellungen, Zeichensätze und Dateirechte sind nicht überall gleich. Solche Abweichungen fallen beim Kopieren nicht auf, sondern erst beim ersten Aufruf.
- Die PHP-Version auf dem Zielsystem sollte zu Redaktionssystem und Erweiterungen passen, sonst bricht der Seitenaufbau ab.
- Regeln aus der Datei.htaccess, etwa Weiterleitungen alter URLs, müssen mitkommen und vom neuen Webserver auch unterstützt werden.
- Zeitgesteuerte Aufgaben, sogenannte Cronjobs, sind Teil des Hostings und nicht der Dateien, sie werden auf dem neuen System neu angelegt.
- Das TLS-Zertifikat für die verschlüsselte Verbindung muss für den neuen Server ausgestellt werden, und das geht meist erst, wenn die Domain bereits dorthin zeigt.
- In Datenbanken stehen oft absolute Pfade und die hinterlegte Adresse der Website, die nach dem Umzug angepasst werden müssen.
- Der Mailversand aus Formularen läuft auf dem neuen Server möglicherweise über einen anderen Weg und muss gesondert getestet werden.
Eine Reihenfolge, die den Ausfall klein hält
Bewährt hat sich, den neuen Platz vollständig aufzubauen, bevor irgendetwas am DNS geändert wird. Die Kopie lässt sich über eine temporäre Adresse des neuen Anbieters oder über einen lokalen Eintrag in der hosts-Datei des eigenen Rechners aufrufen und durchklicken, inklusive Formular, Login und Shop. Erst danach wird die TTL gesenkt, dann werden Datenbank und Dateien ein letztes Mal abgeglichen, dann erst die Nameserver oder der A-Eintrag umgestellt. Der alte Vertrag wird gekündigt, wenn der neue nachweislich läuft und ein vollständiges Backup des alten Standes gesichert ist.
Wie viel davon intern machbar ist, hängt davon ab, wer die Zugänge hat und wer im Zweifel am Abend noch einmal nachsehen kann. Was zu unserem Webhosting gehört, von der DNS-Zone über den Mailserver bis zur Wartung danach, finden Sie auf der Seite zu unseren Webhosting-Leistungen. Erreichbar sind wir unter +43 1 266 06 66 und office@easy4lan.com, das Büro ist Montag bis Donnerstag von 09:00 bis 12:30 und 13:00 bis 17:00 besetzt, freitags von 09:00 bis 14:00.
Fazit
Ein Anbieterwechsel beim Webhosting ist kein Kopiervorgang, sondern die Verlagerung von vier getrennten Dingen: Domainregistrierung, DNS-Zone, Webspace und Postfächern. Woran es nach einem Wechsel hakt, lässt sich meist auf fehlende Zugänge, auf noch gültige Zwischenspeicher im DNS oder auf eine Einstellung zurückführen, die auf dem alten Server selbstverständlich war. Wer vor dem Umzug Domainverwaltung, FTP, Datenbank und Administrator-Zugang einmal durchprobiert und die Mailadresse des Domaininhabers prüft, nimmt den unangenehmsten Teil vorweg. Und der alte Vertrag bleibt so lange bestehen, bis der neue Stand geprüft und gesichert ist. Das kostet ein paar Wochen Überschneidung, dafür bleibt ein Weg zurück offen.