Die Frage Kabel oder WLAN stellt sich fast immer in dem Moment, in dem ohnehin gebaut wird: neue Räume, ein Umbau, eine zusätzliche Halle. Dann kommt jemand mit dem Argument, dass Funk doch inzwischen schnell genug sei und man sich die Kabelwege sparen könne. Das ist nicht falsch, es ist nur unvollständig. Wir sehen öfter, als uns lieb ist, dass Betriebe zwei Jahre später nachträglich Kanäle stemmen lassen, weil an drei oder vier Plätzen eben doch nichts anderes funktioniert. Und diese nachträgliche Verkabelung kostet ein Mehrfaches von der, die man beim Umbau gleich mitgemacht hätte.
Warum Kabel oder WLAN selten eine Preisfrage ist
In der Kalkulation sieht Funk billiger aus, und auf dem Papier stimmt das auch. Ein Access Point, also das Funkgerät, das das WLAN aufspannt, versorgt eine ganze Etage. Zwanzig Netzwerkdosen in derselben Etage bedeuten Kanäle, Durchbrüche, einen Verteilerschrank und Arbeitszeit im Bestand. Der Unterschied liegt bei zwei oder drei Arbeitsplätzen im niedrigen vierstelligen Bereich.
Nur wird in dieser Rechnung eine Seite gar nicht bewertet: was ein Arbeitsplatz kostet, der nicht zuverlässig arbeitet. Ein Mitarbeiter, der pro Tag zwanzig Minuten damit verbringt, eine Verbindung neu aufzubauen oder eine unterbrochene Übertragung zu wiederholen, kostet im Jahr deutlich mehr als die Dose, die es verhindert hätte. Die Entscheidung fällt also nicht am Angebotspreis, sondern an der Frage, was an diesem Platz gearbeitet wird. Und diese Frage stellt beim Umbau selten jemand, weil Elektriker und Baufirma sie nicht stellen müssen.
Was WLAN technisch macht, und wo es an Grenzen kommt
WLAN ist ein geteiltes Medium. Alle Geräte in Funkreichweite benutzen denselben Kanal, also denselben Frequenzbereich, und sie müssen sich abwechseln. Sendet eines, warten die anderen. Kommt es trotzdem zur Überlagerung, wird das Paket verworfen und noch einmal geschickt. Diese Wiederholungen sieht man nicht, sie äußern sich als Verzögerung, die schwankt.
Genau diese Schwankung ist das Problem, nicht die Geschwindigkeit. Moderne Funkstandards übertragen in Werbeprospekten mehr Daten als ein Gigabit-Kabel, aber sie tun es nicht gleichmäßig. Dazu kommt, dass Funk sich nicht an Firmengrenzen hält: Das WLAN des Nachbarn im selben Haus, die Mikrowelle in der Teeküche, ein Bluetooth-Headset und Regalmeter aus Metall wirken alle auf dasselbe Band ein. Ein Kabel hat keine Nachbarn. Es liefert dieselbe Verzögerung um neun Uhr morgens wie um vier Uhr nachmittags, und das ist der eigentliche Unterschied.
Drei Fälle, in denen Kabel wirklich unersetzlich bleibt
Es gibt Plätze, an denen wir nach dreißig Jahren gar nicht mehr diskutieren, sondern gleich eine Dose einplanen. Nicht aus Prinzip, sondern weil die Erfahrung eindeutig ist. Allen drei Fällen ist gemeinsam, dass nicht die Datenmenge das Kriterium ist, sondern die Verlässlichkeit pro Sekunde.
- Produktion und Maschinensteuerung: Steht eine Anlage, weil ein Datenpaket zu spät kommt, kostet die Minute Stillstand mehr als die gesamte Verkabelung der Halle.
- Telefonie: Bei VoIP, also Telefonie über das Datennetz, hört man jede Schwankung sofort als Aussetzer oder Roboterstimme, weil Sprache nicht nachgeliefert werden kann.
- Kassen, Zahlungsterminals und Zugangskontrolle: Diese Geräte müssen im Moment des Vorgangs erreichbar sein, und ein Kunde an der Kasse wartet nicht, bis sich das Gerät neu verbunden hat.
- Arbeitsplätze, die mit großen Dateien direkt auf dem Server arbeiten, etwa in Konstruktion, Grafik oder Video: Hier wird nicht kopiert, hier wird laufend geschrieben und gelesen.
- Überwachungskameras und Server selbst: Dauerlast über Stunden ist das Gegenteil von dem, wofür Funk gebaut wurde.
- Plätze mit erhöhten Sicherheitsanforderungen: Ein Kabel kann man nur abgreifen, wenn man im Gebäude steht, ein Funksignal reicht bis auf die Straße.
Wo WLAN die bessere Wahl ist, auch aus unserer Sicht
Wir sind keine Kabelromantiker. Es gibt Bereiche, in denen eine Verkabelung schlicht Geldverschwendung wäre. Alles, was sich bewegt, gehört ins WLAN: Notebooks in Besprechungsräumen, Tablets im Lager, Handscanner, Telefone der Außendienstler, Gäste. Für diese Geräte ist Funk nicht der Kompromiss, sondern die Lösung.
Auch Arbeitsplätze, an denen überwiegend Mail, Kalender, Textverarbeitung und Browser laufen, merken den Unterschied im Alltag kaum. Ein kurzer Aussetzer beim Laden einer Seite fällt niemandem auf. Der Fehler liegt nicht darin, WLAN zu verwenden, sondern darin, es überall zu verwenden und dann zu hoffen. Sinnvoll ist die Mischung: ein gut geplantes Funknetz für die beweglichen Geräte, Kabel für die Plätze, die nicht diskutieren können. Nebenbei braucht auch jeder Access Point ein Kabel, denn irgendwie muss das Funksignal ins Netz kommen.
Woran Sie im eigenen Betrieb erkennen, was ein Platz braucht
Sie brauchen dafür keine Messtechnik, sondern nur ein paar ehrliche Fragen pro Arbeitsplatz. Gehen Sie einmal durch Ihre Räume und beantworten Sie sie für jeden Tisch und jedes fest stehende Gerät. In der Regel bleiben deutlich weniger Plätze übrig, als man befürchtet, und genau die sind es wert.
- Steht das Gerät an diesem Platz und bleibt es dort, oder wird es täglich mitgenommen?
- Würde ein Ausfall von zwei Minuten hier jemanden stören, der nicht im Haus ist, etwa einen Kunden am Telefon oder an der Kasse?
- Hängt an diesem Platz ein Arbeitsschritt, den man nicht einfach später nachholen kann?
- Wird hier dauerhaft und in beide Richtungen Daten übertragen, oder nur gelegentlich etwas geladen?
- Steht zwischen diesem Platz und dem nächsten Access Point eine Betonwand, ein Lift, ein Metallregal oder ein Kühlraum?
- Wie oft hat sich der Mitarbeiter an diesem Platz im letzten halben Jahr über das Netzwerk beschwert?
Wann man verkabelt, und warum der Zeitpunkt mehr entscheidet als die Technik
Der günstigste Moment für eine Netzwerkverkabelung ist immer der, in dem die Wände ohnehin offen sind. Kabel sind in der Materialrechnung der kleinste Posten, teuer ist der Weg dorthin. Wer beim Umbau pro Arbeitsplatz zwei Dosen statt einer legt, zahlt kaum mehr und hat Luft für Telefon, Drucker, Access Point oder ein Gerät, das es heute noch nicht gibt. Wer nachträglich stemmt, zahlt Staub, Ausfallzeit und Malerarbeiten mit.
Dazu gehört ein Verteilerschrank, in dem man in fünf Jahren noch nachvollziehen kann, welche Dose wohin führt, und eine Dokumentation, die den Namen verdient. Das ist unspektakulär und zahlt sich genau dann aus, wenn es schnell gehen muss. Wenn Sie unsicher sind, welche Plätze in Ihrem Betrieb wirklich ein Kabel brauchen und welche nicht, sehen wir uns bei der Planung der Netzwerkverkabelung im Haus an, wo gearbeitet wird und was dort hängt, und legen fest, was verkabelt und was gefunkt wird. Das dauert einen Vormittag und ersetzt mehrere Jahre Rätselraten.
Fazit
Kabel oder WLAN ist keine Glaubensfrage und auch keine Preisfrage, sondern eine Frage der Tätigkeit am jeweiligen Platz. Alles, was sich bewegt, gehört ins Funknetz, alles, was im Moment des Geschehens verlässlich sein muss, gehört ans Kabel: Produktion, Telefonie, Kassen, Kameras und Plätze, die laufend am Server arbeiten. Entscheidend ist nicht die maximale Geschwindigkeit, sondern dass die Verbindung um vier Uhr nachmittags dieselbe ist wie um neun Uhr morgens. Wer diese Einteilung einmal bewusst trifft, und zwar bevor die Wände zu sind, spart sich das Nachrüsten und die Diskussionen, die vorher stattfinden. Im Alltag geht diese Abwägung unter, und das ist nachvollziehbar, nur wird sie dadurch nicht billiger.