Ein Website-Relaunch ist der Moment, an dem eine mühsam aufgebaute Sichtbarkeit bei Google innerhalb weniger Tage verschwinden kann, meist ohne böse Absicht, sondern durch übersehene Kleinigkeiten. Eine neue, modernere Seite soll eigentlich ein Fortschritt sein, wird aber regelmäßig zum Rückschritt, wenn technische Grundlagen beim Umzug verloren gehen. Mit der richtigen Reihenfolge lässt sich dieses Risiko fast vollständig vermeiden.
Der gefährlichste Punkt: URLs, die sich ändern
Google hat jede bestehende Seite unter einer bestimmten Adresse indexiert, mit einer über Zeit aufgebauten Platzierung in den Suchergebnissen. Ändert sich beim Relaunch die Struktur dieser Adressen, etwa weil ein neues System andere URLs erzeugt, verliert jede dieser Seiten ihre bisherige Platzierung, wenn nicht sauber weitergeleitet wird.
Die Lösung dafür ist eine sogenannte 301-Weiterleitung, die technisch signalisiert, dass eine Seite dauerhaft an eine neue Adresse umgezogen ist. Ohne diese Weiterleitung landen sowohl Google als auch Besucher, die einen alten Link anklicken, auf einer Fehlerseite, und die aufgebaute Platzierung ist verloren.
Eine vollständige Liste alter URLs vor dem Umzug
Bevor überhaupt eine neue Seite live geht, sollte eine vollständige Liste aller bestehenden, von Google indexierten Adressen vorliegen. Diese Liste lässt sich aus der Google Search Console, der bestehenden Sitemap oder einem Crawl der aktuellen Website zusammenstellen.
Für jede dieser Adressen muss danach klar sein, wohin sie nach dem Relaunch führt. Fehlt eine einzelne Seite in der neuen Struktur komplett, sollte sie zumindest auf eine inhaltlich sinnvolle, verwandte Seite weiterleiten, statt einfach zu verschwinden.
Inhalte sichern, bevor sie überschrieben werden
Ein Relaunch bedeutet oft auch neue Texte, überarbeitete Struktur und ein neues Design, wobei bewährte, bereits gut rankende Inhalte manchmal unabsichtlich verändert oder gekürzt werden. Ein Text, der über Jahre eine gute Platzierung erreicht hat, verliert diese nicht selten, wenn er beim Relaunch stark umgeschrieben wird, selbst wenn die neue Version sprachlich besser klingt.
Sinnvoll ist deshalb, vor dem Relaunch zu dokumentieren, welche bestehenden Seiten bereits gut performen, und diese gezielt zu erhalten oder nur behutsam anzupassen, statt sie im Zuge der allgemeinen Überarbeitung komplett neu zu schreiben.
Die technische Checkliste vor dem Livegang
Neben URLs und Inhalten gibt es eine Reihe technischer Punkte, die bei einem Relaunch regelmäßig übersehen werden und einzeln jeweils spürbare Auswirkungen auf die Sichtbarkeit haben können:
- Eine vollständige 301-Weiterleitung für jede alte, indexierte Adresse
- Eine aktuelle Sitemap, die bei der Google Search Console neu eingereicht wird
- Meta-Titel und Beschreibungen für jede Seite, nicht nur die Startseite
- Eine Prüfung, dass die neue Seite nicht versehentlich für Suchmaschinen gesperrt ist
- Strukturierte Daten wie Schema.org-Markup, die auf der alten Seite bereits vorhanden waren
- Eine Kontrolle der Ladezeit auf der neuen Seite, gerade bei einem aufwendigeren Design
Die ersten Tage nach dem Livegang aktiv beobachten
Selbst mit sorgfältiger Vorbereitung lohnt sich in den ersten Tagen nach dem Relaunch eine engmaschige Kontrolle. Die Google Search Console zeigt relativ schnell an, wenn plötzlich viele Seiten mit einem Fehler wie einer nicht gefundenen Adresse gemeldet werden, was ein klares Signal für eine übersehene Weiterleitung ist.
Wird ein solches Problem früh erkannt, lässt es sich meist innerhalb weniger Stunden beheben, bevor es sich spürbar auf die Sichtbarkeit auswirkt. Wird es erst nach Wochen bemerkt, ist der Schaden oft bereits eingetreten und die Erholung dauert entsprechend länger.
Warum sich diese Sorgfalt danach sogar auszahlt
Ein Relaunch ist nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance, technische Altlasten zu bereinigen, die sich über Jahre angesammelt haben, etwa verwaiste Seiten, doppelte Inhalte oder eine unsaubere Überschriftenstruktur. Richtig durchgeführt, steht die Sichtbarkeit nach dem Umzug nicht nur wieder auf dem alten Niveau, sondern häufig sogar darüber.
Der Unterschied zwischen einem Relaunch, der die Sichtbarkeit kostet, und einem, der sie verbessert, liegt fast immer in genau dieser Vorbereitung, nicht im Design der neuen Seite.
Der richtige Zeitpunkt für den Relaunch
Neben der technischen Vorbereitung spielt auch der Zeitpunkt eines Relaunchs eine Rolle. Ein Livegang kurz vor einer umsatzstarken Phase ist riskant, weil selbst kleinere technische Probleme in dieser Zeit besonders teuer werden. Sinnvoller ist ein ruhigerer Zeitraum, in dem genug Puffer bleibt, um Fehler zu beheben, ohne dass dadurch unmittelbar Umsatz verloren geht.
Ebenso hilfreich ist ein Wochentag mit ausreichend Zeit zur Beobachtung danach, etwa früh in der Woche statt kurz vor dem Wochenende. So lässt sich ein auftretendes Problem noch am selben oder nächsten Tag beheben, statt zwei Tage lang unbeobachtet zu bleiben.
Fazit
Der gefährlichste Moment für die Google-Sichtbarkeit einer Unternehmenswebsite ist nicht der laufende Betrieb, sondern der Relaunch selbst. Eine vollständige URL-Liste mit sauberen Weiterleitungen, gesicherte bewährte Inhalte und eine aktive Kontrolle in den ersten Tagen danach verhindern den typischen Rankingverlust und legen oft sogar die Basis für einen Zuwachs. Wie eine technisch solide Website von Grund auf aufgebaut wird, zeigt der Grundlagen-Leitfaden für Unternehmenswebsites.